Mir san mir? – Hallo Ü Nr 2

Wenn zu Beginn eines Jahres das kommunalpolitische Leben erst langsam

wieder in Gang kommt, bleibt glücklicherweise noch Raum für eher grundsätzliche Betrachtungen.

Wir wollen heute, liebe Leser, Ihre Aufmerksamkeit einmal auf Prozesse der Gruppendynamik

lenken, die auch in einem Rahmen wie dem Überlinger Gemeinderat fast unabänderlich abzulaufen scheinen.

Trotz aller politischen Unterschiede stellt sich mit der Zeit ein (auf gut bayrisch) „Mir san mir“ – Gefühl ein.

Es beginnt sich fast unbewusst eine Art überparteilicher Gruppe mit einer gewissen informellen Hierarchie

und einer sich vereinheitlichenden Meinung zu formen.

Und je enger diese Gruppe zusammenwächst, desto mehr besteht die Gefahr, dass sie sich von der

Bürgerschaft abkapselt, von dieser sogar zunehmend als „verfilzt“ angesehen werden kann.

Jede wohlmeinende Äußerung von außen, der Gemeinderat solle ein „Wir-Gefühl“ entwickeln, ist also geradezu

kontraproduktiv. Das genaue Gegenteil ist richtig.

Die verschiedenen politischen Strömungen sollten die unterschiedlichen Auffassungen innerhalb der

Bürgerschaft, die sich im demokratischen Rahmen bewegen, möglichst repräsentativ vertreten und im Rat

diskursiv austragen. Wenn dies dann auf einem hohen sachlichen Niveau geschieht, trägt es nicht nur zur transparenten

Lösungsfindung bei, es steigert auch das Ansehen des Gremiums insgesamt.

Und gerade deswegen wünschen wir uns zum Beginn der neuen Sitzungsperiode: Ringen um die Sache, Respekt gegenüber der Person.

Ihr

Roland Biniossek

Stadtrat DIE LINKE


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